Lizenzen von Krypto-Börsen: Decken sie Spot-Handel, Earn und Derivate ab?
Aktualisiert am 2026-09-28
Meist nicht. Eine Lizenz für eine Krypto-Börse gilt für die darin aufgeführten Tätigkeiten, für die Gesellschaft, die sie hält, und in dem Land, das sie erteilt hat. Spot-Handel und Verwahrung bilden den Kern. Earn- und Staking-Produkte, Kreditgeschäfte sowie Derivate wie Futures und Perpetuals fallen häufig nicht unter diese Lizenz, benötigen eine gesonderte Zulassung oder sind für Privatkunden nicht zugänglich.
Was eine Lizenz für eine Krypto-Börse normalerweise abdeckt
Die App einer Börse kann Spot-Handel, einen Earn-Bereich, Staking, Kredite und Futures auf einem einzigen Bildschirm anbieten. Die dahinterstehende Lizenz ist enger gefasst. Aufsichtsbehörden lassen Tätigkeiten zu, keine Apps. Jede Lizenz führt auf, was die Gesellschaft tun darf. Die Tabelle fasst die Lage in sieben Ländern und Regionen mit Stand September 2026 anhand der Veröffentlichungen der Aufsichtsbehörden zusammen.
| Wo | Wichtigste Krypto-Zulassung oder -Registrierung | Earn, Staking und Kreditgeschäfte | Derivate |
|---|---|---|---|
| Europäische Union | MiCA-Zulassung als Kryptowerte-Dienstleister für aufgeführte Dienstleistungen wie den Betrieb einer Handelsplattform, den Tausch und die Verwahrung. Die Übergangsfrist endete am 1. Juli 2026. | Laut ESMA erfasst MiCA weder die Vergabe noch die Aufnahme von Krediten in Kryptowerten. Als Dienstleistung angebotenes Staking fällt unter die Verwahrungsdienstleistung. | Krypto-Derivate sind Finanzinstrumente im Sinne von MiFID II und fallen nicht unter MiCA. |
| Japan | Registrierung als Krypto-Handelsdienstleister nach dem Zahlungsdienstegesetz. | Die Vergabe von Krediten in Kryptowerten an die Börse ist nicht Teil der derzeitigen Registrierung. Die Reform der FSA von 2026 nimmt sie in die regulierten Tätigkeiten auf. | Gesonderte Registrierung für Finanzinstrumentegeschäfte des Typs I nach dem Gesetz über Finanzinstrumente und Börsen. |
| Singapur | MAS-Lizenz für digitale Zahlungstoken-Dienste nach dem Zahlungsdienstegesetz, dessen Geltungsbereich ab April 2024 schrittweise um Verwahrung und Übertragung erweitert wurde. | Nach den Leitlinien der MAS sollen Anbieter Vermögenswerte von Privatkunden weder verleihen noch für Staking einsetzen. | Gesondert nach dem Wertpapier- und Termingeschäftsgesetz reguliert. |
| Vereinigtes Königreich | FCA-Registrierung, die derzeit nur die Geldwäscheaufsicht abdeckt. Ein umfassendes Krypto-Regime soll voraussichtlich am 25. Oktober 2027 in Kraft treten. | Regeln für Kreditgeschäfte und Staking kommen mit dem neuen Regime. | Der Verkauf von Krypto-Derivaten an Privatkunden ist verboten. |
| Hongkong | SFC-Lizenz für Handelsplattformen für virtuelle Vermögenswerte. | Staking ist erst erlaubt, nachdem die SFC die Lizenzbedingungen angepasst hat (seit April 2025). | Perpetual-Kontrakte dürfen nur professionellen Anlegern angeboten werden (Regelwerk vom Februar 2026). |
| Vereinigte Staaten | Keine einheitliche Lizenz auf Bundesebene. Lizenzen der Bundesstaaten wie die New Yorker BitLicense decken bestimmte Tätigkeiten ab, etwa Übertragung, Verwahrung, Kauf und Verkauf sowie Tausch. | Hängt vom Bundesstaat und vom Produkt ab. | Angebot über Börsen und Broker, die bei der CFTC registriert sind. |
| Kanada | Handelsplattformen arbeiten auf Grundlage von Verpflichtungserklärungen gegenüber den Wertpapieraufsichtsbehörden und sollen sich als Wertpapierhändler registrieren lassen. Die FINTRAC-Registrierung dient nur der Geldwäschebekämpfung. | Die Verpflichtungserklärungen der Plattformen schränken die Verpfändung oder Wiederverwendung von Kundenvermögen ein. | Die Verpflichtungserklärungen der Plattformen verbieten Margin-Handel und Hebel. |
Daraus folgen zwei Dinge. Erstens sagt eine Lizenz in einem Land nichts über die Produkte aus, die dieselbe Börse in einem anderen Land verkauft. Zweitens kann selbst im Land der Zulassung ein Earn- oder Futures-Produkt außerhalb der Lizenz liegen oder von einer anderen Gesellschaft derselben Gruppe verkauft werden. ESMA weist darauf hin, dass die Schutzvorschriften von MiCA nur für die konkret zugelassene Gesellschaft gelten, nicht für den Rest ihrer Gruppe.
Eine Registrierung ist nicht immer eine Zulassung
Mehrere Register, auf die sich Börsen berufen, dienen der Geldwäsche-Registrierung. Sie zeigen, dass die Gesellschaft der Behörde ihre Existenz gemeldet hat und die Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung einhalten muss. Eine Zulassung des Geschäfts bedeuten sie nicht.
- Vereinigte Staaten: FinCEN erklärt, dass ein Eintrag in seinem Register für Gelddienstleister weder eine Empfehlung noch eine Bescheinigung der Rechtmäßigkeit oder eine Befürwortung darstellt.
- Kanada: FINTRAC erklärt, dass eine Registrierung nicht bedeutet, dass es das Unternehmen befürwortet oder ihm eine Lizenz erteilt.
- Vereinigtes Königreich: Die FCA erklärt, dass sich ihre Zuständigkeit im Rahmen der derzeitigen Krypto-Registrierung auf die Geldwäschebekämpfung beschränkt und dass die Registrierung Kunden keinen Zugang zum Financial Ombudsman Service oder zum Financial Services Compensation Scheme verschafft.
Auf Takame werden FinCEN- und FINTRAC-Registrierungen auf den Börsenseiten mit Quellenangabe angezeigt. Bei der Bewertung zählen sie jedoch nicht als Lizenzen.
Warum eine Börse in verschiedenen Ländern unterschiedliche Produkte anbietet
Da Lizenzen örtlich begrenzt gelten, schalten Börsen Produkte je nach Land frei oder sperren sie. Manchmal ziehen sie sich aus einem Land zurück, wenn sie keine Lizenz erhalten. So zog OKX seinen Lizenzantrag in Hongkong zurück und teilte den dortigen Einwohnern mit, dass der Handel am 31. Mai 2024 eingestellt werde, während Auszahlungen weiterhin möglich blieben. Seit dem 30. Juni 2025 benötigen Unternehmen mit Sitz in Singapur, die ausschließlich Kunden außerhalb Singapurs bedienen, eine Lizenz. Die MAS erklärte, dass sie eine solche Lizenz grundsätzlich nicht erteilen werde.
Wenn eine Börse also angibt, lizenziert zu sein, sind die entscheidenden Fragen: Wo gilt die Lizenz, für welche Gesellschaft und für welche Produkte?
So prüfen Sie, was die Lizenz einer Börse abdeckt
- 1.Finden Sie die Gesellschaft, die Sie bedient. Sie ist in den Nutzungsbedingungen für Ihr Land genannt und häufig nicht die Muttergesellschaft der Marke.
- 2.Schlagen Sie diese Gesellschaft im Register Ihrer Aufsichtsbehörde nach, nicht auf der Website der Börse. Der Registereintrag zeigt die Art der Lizenz und ihren Status.
- 3.Vergleichen Sie die Art der Lizenz mit dem Produkt, das Sie nutzen möchten. Eine Lizenz für Spot-Handel deckt keine Futures ab. In mehreren Ländern und Regionen benötigen Earn und Staking eine eigene Erlaubnis oder sind für Privatkunden nicht zugänglich.
- 4.Lesen Sie die Bedingungen des jeweiligen Produkts. Wird ein Earn- oder Futures-Produkt von einer anderen Gesellschaft der Gruppe betrieben, gelten die Schutzvorschriften der Lizenz möglicherweise nicht dafür.
- 5.Prüfen Sie, ob die Aufsichtsbehörde in Ihrem Land Warnungen veröffentlicht hat. Eine Warnung vor der Marke ist auch dann relevant, wenn sie in einem anderen Land lizenziert ist.
Takame führt für jede Börse die Register auf, die wir lesen, und verlinkt jeden Eintrag. So können Sie direkt bei Schritt 2 beginnen.
Quellen
- ESMA: Erklärung zum Ende der MiCA-Übergangsfristen (April 2026)
- ESMA Q&A 2883: MiCA regelt weder die Vergabe noch die Aufnahme von Krediten in Kryptowerten
- ESMA Q&A 2067: Staking unter MiCA
- Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA)
- Japans FSA: Überblick über den Gesetzentwurf von 2026 zur Änderung der Vorschriften für Kryptowerte (Japanisch)
- MAS: erweiterter Geltungsbereich regulierter Zahlungsdienste (April 2024)
- MAS: Leitlinien PS-G03 zum Verbraucherschutz durch Anbieter digitaler Zahlungstoken-Dienste
- MAS: Regulierungsregime für Anbieter digitaler Token-Dienste (Juni 2025)
- FCA: Regime zur Geldwäschebekämpfung bei Kryptowerten
- FCA: Zugang von Privatkunden zu Krypto-ETNs; Derivateverbot bleibt bestehen (August 2025)
- FCA: neues Regime zur Regulierung von Kryptowerten
- SFC: Staking durch Handelsplattformen für virtuelle Vermögenswerte (April 2025)
- SFC: Regelwerk für Perpetual-Kontrakte auf Handelsplattformen für virtuelle Vermögenswerte (Februar 2026)
- NYDFS: Unternehmen im Bereich virtueller Währungen (BitLicense)
- FinCEN: Suche im Register der Gelddienstleister (MSB)
- FINTRAC: Registrierung von Gelddienstleistern
- CSA Staff Notice 21-332: Verpflichtungserklärungen von Krypto-Handelsplattformen
- OKX: Rücknahme des Lizenzantrags von OKX in Hongkong (Mai 2024)
- So prüfen Sie, ob eine Krypto-Börse reguliert ist